Die Volksmusik lebendig machen (2015-01-06)

Nach zwölf Jahren kandidiert Josef Krems nicht mehr als Vorsitzender des Volksliedkreises

 

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Das dritte Chamer Kamplsingen fand 2010 statt. Rechts hinten im Bild ist der jetzige Vorsitzende Josef Krems zu sehen. Bei den Neuwahlen am Sonntag kandidiert er nicht mehr. Foto: Oberpfälzer Volksliedkreis (Quelle: Chamer Zeitung)

 

Cham. Mit zehn Jahren hat Josef Krems sein erstes Musikinstrument bekommen: eine steirische Harmonika. „Die habe ich mir so sehr gewünscht“, sagt der Vorsitzende des Chamer Oberpfälzer Volksliedkreises (OVK). Leicht war es für seine Mutter nicht, ihm diese zu schenken. Der Vater war im Zweiten Weltkrieg gefallen, die Mutter mit ihren Kindern alleine. So reichte es nur für eine gebrauchte Steirische – aber gefreut hat es den jungen Krems trotzdem.

Zwölf Jahre lang war Krems der Vorsitzende des OVK. Am Sonntag wählen die Mitglieder ihren neuen Vorstand für die nächsten drei Jahre – Krems kandidiert nicht mehr. „Ich bin jetzt 75 Jahre alt. Irgendwann ist es einfach zu viel“, erklärt er. Einen Nachfolger hat er schon im Blick. „Wie es dann ausgeht, das zeigen die Wahlen“, meint er.

 

Cham will die Kultur nicht sterben lassen

1955 gründete Otto Peisl den Oberpfälzer Volksliedkreis. „Er wollte die original bayerische Volksmusik pflegen“, erklärt Krems dessen Motivation. Der Verein erstreckte sich über die gesamte Oberpfalz, ein riesiges Arbeitsfeld also. Professor Dr. Hans Weigert stand bis vor einigen Jahren dem Verein vor. Aus beruflichen Gründen schaffte er es nicht mehr. Der Gesamtverein löste sich auf, einzelne Teilregionen blieben aber bestehen, so auch Cham. „Wir wollten die Kultur nicht sterben lassen“, blickt Krems zurück.

 

Der Chamer OVK hat derzeit 107 Mitglieder. „Es gibt die Aktiven, die tanzen und musizieren, und die, die nur zuhören und nicht mal singen können, wieder andere, die gerne für sich Musik machen, aber nicht auf der großen Bühne stehen wollen“, formuliert es der Vorsitzende. Den Verein untergliedern Volksmusik- und Volkstanzgruppen, auch Jugendarbeit findet ihren Platz. Diese sei nicht immer leicht. „Da gibt es Kinder, die sind mit Feuer und Flamme dabei. Dann gehen sie aufs Gymnasium und verlieren das Interesse“, bedauert er. Auch sei es schon vorgekommen, dass ein junger Bursch sich wünschte „doch bitte nicht öffentlich genannt zu werden, weil dann in der Schule alle lachen“. Krems kann es nachvollziehen: „Mit 18 Jahren hat mich meine Steirische auch nicht interessiert. Da waren andere Dinge wichtig.“

Aber es gibt auch Jugendgruppen, die Erfolg haben – etwa die „Hohenbogen Goiß“. „Solche bräuchten wir mehr: Jugendgruppen, die sich aus gemeinsamem Interesse bilden und dann aber auch bei der Sache bleiben“, meint der Vorsitzende. Besondere Freude machte ihm deshalb auch immer das Chamer Kamplsingen, das alle zwei Jahre stattfindet und er initiierte. Der Nachwuchs zeigt dort, was er musikalisch so drauf hat.

Die traditionelle Volksmusik sei aber „eher für die Menschen über 50“. Schließlich handelt es sich nicht um volkstümliche und schlagerähnliche Musik, die der Verein am Leben hält, sondern um bodenständige Volksmusik – eine Musik, die die Menschen vor hundert Jahren in der Region gespielt haben.

Jeder Musikant spielt das Lied auf seine Art „Karl Schreiner aus Furth im Wald hat sich dieser Lieder besonders angenommen und gräbt diese aus“, lobt Krems. Die Schwierigkeit sei, die Noten zu bekommen, um die Stücke nachspielen zu können. „Die Leute früher haben das oft nach ihrem Gehör nachgespielt“, sagt Krems. Da habe sich dann das Lied im Laufe der Zeit verändert. „Aber das ist doch genau das, was die Volksmusik am Leben hält. Dass es nicht so exakt zugeht wie bei der Klassik, sondern sich die Musik immer weiterentwickelt“, findet Krems. Auch wenn er nicht mehr Vorsitzender ist, die Musik wird ihn weiterbegleiten: „Das Spielen kann man als Musiker einfach nicht lassen.“

 

Info

Der Oberpfälzer Volksliedkreis Cham lädt zur Jahresversammlung mit Neuwahlen und Ehrungen am kommenden Sonntag, 11. Januar, um 14 Uhr ins Hotel am Regenbogen in Cham ein.

Josef Krems, der den Chamer Verein seit zwölf Jahren geführt hat, steht bei der Wahl aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung.

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